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Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Die chronische Pankreatitis

Was ist eine chronische Pankreatitis?

Die chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist durch persistierende morphologische Veränderungen der Drüse gekennzeichnet. Diese Veränderungen können bis zum Stadium des kompletten Umbau der Drüse zu bindegewebiger Fibrose fortschreiten mit einem Funktionsverlust des Organ und der Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder einer Pankreasinsuffizienz (Mangel an Verdauungsenzymen). Die chronische Pankreatitis ist definiert als eine chronische Entzündung des Pankreas mit bindegewebigem Umbau (Fibrose) ohne Ausheilung, verbunden mit dem fortschreitenden Funktionsverlust und der Entwicklung von Komplikationen. Die Klinik der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist durch einen wiederkehrenden anfallsartigen Oberbauchschmerz gekennzeichnet. Manchmal kann die Entzündung auch nur in Abschnitten der Drüse auftreten, was häufig ein Zeichen für eine Abflussbehinderung, z.B. durch einen Tumor sein kann.

Häufigkeit und Entstehung

Pro Jahr erkranken etwa 8,2 pro 100.000 Menschen neu an dieser Erkrankung, wobei eine deutliche Zunahme der Erkrankungshäufigkeit zu beobachten ist. Der häufigste Auslöser der Erkrankung ist mit über 75% übermäßiger Alkoholkonsum. Wichtig ist, dass nicht alle Betroffenen einen chronischen Alkoholabusus betreiben. Vielmehr ist die Verträglichkeit der Drüse für Alkohol individuell sehr verschieden. Auch andere Ursachen wie ein Übermaß an Kalzium im Blut, eine chronische Nierenfunktionsstörung mit Ansammlung harnpflichtiger Substanzen, Medikamente oder angeborene Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, wie ein Pankreas divisum oder ein Pankreas anulare oder aber Tumoren können Auslöser der Erkrankung sein. Im Falle des Alkoholmissbrauch geht man davon aus, dass Alkohol sowohl die Pankreaszellen direkt schädigt, aber auch dass Alkohol zur Auskälung von Eiweis in den Pankreasgängen führt und zu deren Verkalkung. Der entstehende Sekretstau wird für die immer wiederkehrenden Entzündungen der Drüse verantwortlich gemacht.

Welche Beschwerden / Symptome treten auf?

Die klassischen Leitsymptome der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Oberbauchschmerzen (80-90%), Symptome der Zuckerkrankheit (5-15%), fettige und voluminöse Stuhlgänge (3-10%), sowie eine Gelbfärbung der Haut durch eine entzündliche Enge der Gallenwege (1-5%). Die Schmerzen sind in vielen Fällen anfallsartig und treten in Schüben auf. Sie sind oft derart quälend, dass die betroffenen Patienten chronisch Schmerzmittel einnehmen müssen. Häufig wird die wahre Ursache für die Schmerzen über viele Jahre verkannt und die Patienten langen Jahre auf andere Schmerzursachen, wie beispielsweise ein LWS Syndrom und chronische Rückenschmerzen behandelt.

Im Verlauf der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann es zur Entwicklung von Komplikationen kommen. Übelkeit und Erbrechen können Hinweise auf eine Enge des Magenausgang sein (Duodenalstenstenose), eine Gelbfärbung der Haut kann durch eine Enge der Gallenwege zustande kommen (Ikterus) und bei manchen Patienten kann es durch eine Enge oder einen Verschluss der Pfortader, die das Blut vom Darm zur Leber führt zu einer Blutung in den Magen. Darmtrakt kommen (Fundusvarizen, Ösophagusvarizen). In manchen Fällen kann es zur Entwicklung von großen vom Pankreas ausgehenden flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen (Pseudozysten) kommen, die entweder durch Ihr Größenwachstum oder durch eine Infektion Probleme entwickeln können.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Bei Patienten, die den Verdacht auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung bieten, sollte eine Oberbauchsonographie (Untraschall) sowie bei Verdacht eine Computertomograpie oder eine Kernspinuntersuchung durchgeführt werden. Des Weiteren sollte eine Untersuchen der Gallen- und Pankreasgänge erfolgen entweder mittels einer endoskopischen Darstellung (ERCP) oder mittels einer speziellen Kernspinuntersuchung (MRCP). Spezielle Funktionstests können die Funktion der Bauchspeicheldrüse für den Zuckerstoffwechsel oder die Verdauungsfunktion überprüfen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich muss man in der Behandlung der chronischen Pankreatitis zwischen der Behandlung der Schmerzen, der Behandlung der endokrinen oder exokrinen Funktionsstörung und der Behandlung der Komplikationen unterscheiden. Die Behandlung der Schmerzen sieht zunächst eine Behandlung mit krampflösenden Medikamenten, nicht-steroidalen Antirheumatika und erst spät bei Misserfolg dieser Maßnahmen eine Behandlung mit zentral wirksamen Medikamenten vor. Die exokrine Pankreasinsuffizienz kann mit Verdauungsenzymen behandelt werden. Die Behandlung der Zuckerkrankheit kann nur selten mit Tabletten erfolgen, in den meisten Fällen muss die Behandlung mit Insulin erfolgen.

Eine Reihe endoskopischer Verfahren stehen für die Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zur Verfügung. Möglichkeiten hier umfassen die Einlage von kleinen Plastikröhrchen in den Gallen- oder Pankreasgang um den Sekretfluss zu gewährleisten. Diese Therapie erfordert jedoch die regelmäßigen Wechsel der Prothese mit den damit verbundenen Komplikationsmöglichkeiten um ein Verstopfen zu vermeiden. Techniken zur Zertrümmerung von Verkalkungen der Bauchspeicheldrüse mit Schallwellen (ESWL) konnten sich nicht durchsetzen.

In der Literatur finden sich zunehmend Hinweise, dass die Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung mit chirurgischen Maßnahmen das Fortschreiten der Erkrankung hemmen kann oder die Funktion der Drüse verbessern kann. Jeder zweite Patient mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung, so eine große Studie muss wegen Komplikationen der Erkrankung operiert werden. Die heutige Datenlage ist derart, dass Chirurgen bereits zu einem frühen Stadium in die Behandlung der Erkrankung miteinbezogen werden sollten. Eine Operation soll die Ziele der Schmerzbehandlung, Komplikationsbehandlung und Erhaltung der Funktion beinhalten. Es stehen hierfür einerseits drainierende Verfahren, d.h. Ableitung von Pankreassekret (Puestow Operation, Partington-Rochelle Operation, Zystojejunostomie), oder resezierende Verfahren (PPPD, Whipple Operation), d.h. Entfernung von Teilen der Drüse zur Verfügung. Die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Verfahren sollte einem Zentrum mit Erfahrung allen Therapieformen überlassen werden. Bei unklaren Raumforderungen im Kopf der Bauchspeicheldrüse muss bis zum Beweis des Gegenteils von einer bösartigen Veränderung ausgegangen werden, und im Zweifelsfall immer die Operation erfolgen.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Uwe Wittel
Geschäftsführender Oberarzt
Leiter des  Internationalen Pankreaskarzinomzentrums

Anmeldung Spezialsprechstunde

Frau Hecht
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pankreaszentrum
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