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Klinik für Innere Medizin IHämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation

Therapien

von Leukämien und Präleukämien (MDS)

Vor Beginn der Therapie muss die genaue Unterform der akuten myeloischen Leukämie bestimmt werden, um das individuelle Risiko des Patienten (niedriges Risiko, mittleres Risiko, hohes Risiko) für ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Leukämie nach Chemotherapie abschätzen zu können.

Patienten mit niedrigem Risiko können durch eine alleinige Chemotherapie geheilt werden. Patienten mit mittlerem und hohem Risiko sollten nach einer Chemo-
therapie bei passendem Spender möglichst einer Blutstammzelltransplantation zugeführt werden.

Das Ziel des ersten Behandlungszykluses (Induktion) ist es, die akute myeloische Leukämie mit einer Polychemotherapie in eine komplette Remission (vollständiges Verschwinden aller Leukämiezellen) zu bringen. Diese Behandlung wird stationär durchgeführt und erfordert einen Aufenthalt von ca. 4 Wochen. Nach nur wenigen Tagen zu Hause wird dann ein 2. Zyklus Chemotherapiegegeben, um der Leukämie keine Chance zu geben früh zurückzukehren (Rezidiv).

Die Anzahl der nun folgenden Zyklen ist zum einen abhängig von der Unterform der Leukämie, vom Alter des Patienten und vom Ergebnis der Kontrollen des Knochenmarks, welches im ersten Therapiezyklus einmal und dann vor jedem weiteren Zyklus kontrolliert wird. Insgesamt werden nur selten mehr als 5 Zyklen gegeben.

Sollte sich bei den Kontrollen des Knochenmarks ein schlechtes Ansprechen (Teilremission, refraktäre Anämie) zeigen, muss die Chemotherapie auf andere Substanzen umgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt besteht dann immer eine Hochrisiko-Konstellation, die zur Heilung eine Blutstammzelltransplantation erfordert.

Vor Beginn der Therapie muss die genaue Unterform der akuten lymphatischen Leukämie bestimmt werden, um das individuelle Risiko des Patienten (Standardrisiko, Hochrisiko, Höchstrisiko) für ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Leukämie nach Chemotherapie abschätzen zu können. In einigen Fällen kann die ALL durch Chemotherapie alleine geheilt werden.

Die Mehrzahl der Patienten sollte aber aufgrund des Risikoprofils bei passendem Spender einer Stammzelltransplantation zugeführt werden. Die Chemotherapie bei der ALL wird nach einer anfänglichen "Vorphasetherapie" von 5 Tagen, in Therapiezyklen, welche sich jeweils über 3-4 Wochen erstrecken, gegeben. Da sich die ersten beiden Blöcke eng aneinander anschließen, beträgt der initiale Krankenhausaufenthalt meistens 8-12 Wochen. Anschliessend werden in mehrwöchigen Abständen weitere Chemotherapiezyklen verabreicht. Teilweise kann diese Therapie dann auch ambulant gegeben werden. Die Gesamtdauer erstreckt sich über ungefähr 2 Jahre, wobei die Pausen zwischen den Therapien im zweiten Jahr deutlich länger sind. Je nach Ergebnis der Kontrollen auf das Therapieansprechen werden die Medikamente umgestellt, falls die ALL nicht in eine Remission zu bekommen ist.

Da die ALL auch das zentrale Nervensystem befallen kann, ist zusätzlich zur Chemotherapie über die Vene auch eine Chemotherapie in das Nervenwasser (Rückenmark) notwendig. Die geschieht in regelmässigen Abständen anhand einer wenig schmerzhaften Punktion des Rückenmarks (Lumbalpunktion). Je nach individuellem Risikoprofil kann auch eine Bestrahlung des zentralen Nervensystems notwendig sein.

In Deutschland werden standardmässig alle Patienten mit ALL im Rahmen einheitlicher klinischer Studien behandelt.

Abhängig vom Alter des Patienten, des individuellen Riskoscores und der Beschwerdesymptomatik inklusive Begleiterkrankungen ist zu entscheiden, ob eine Therapie einen heilenden Ansatz oder einen unterstützenden bzw. lebensverlängernden Ansatz haben soll. Der einzig gesicherte kurative Ansatz ist die Stammzelltransplantation, welche bei passendem Spender bei jüngeren Patienten und fitten älteren Patienten durchgeführt werden kann.

Ist eine Transplantation nicht möglich, gibt es eine Reihe supportiver und palliativer Therapieverfahren welche je nach Beschwerdesymptomatik und Untergruppe des MDS angewandt wird:

  • Bluttransfusionen (Erythrozyten, Thrombozyten) je nach Blutwerten
  • Eisenchelatoren; dies sind Medikamente, welche bei Patienten mit hohem Transfusionsbedarf verhindern sollen, dass es zur krankhaften transfusionsbedingten Eisenspeicherung in Organen wie z.B. Leber oder Herz kommt.
  • Wachstumsfaktoren wie Erythropoetin (Epo) oder Granulozyten-Wachstumsfaktor (G-CSF)
  • Immunsuppressive Therapie bei bestimmten MDS-Unterformen
  • Epigenetische Therapie, welche zu einem nahezu vollständigen Verdrängen der abnormal veränderten Zellen führen kann
  • Neuartige Medikamente (Lenalidomid) besonders effektiv bei einer bestimmten genetischen Veränderung, dem sogenannten 5q- Syndrom

Therapie der CML

Die Therapie der chronisch myeloischen Leukämie hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre dramatisch verändert. Durch die Entdeckung, dass das bei der CML stets vorkommende Philadelphia-Chromosom (t(9;22)) die Überfunktion eines ganz bestimmten Proteins bewirkt, konnte vor einigen Jahren ein Medikament als Tablette entwickelt werden, welches in über 80% der Patienten über viele Jahre zu einem völligen Verschwinden der Leukämie führt. Dieses Medikament Imatinib (Glivec) ist aktuell die Standardtherapie für Patienten mit CML.

Im Falle einer Resistenzentwicklung auf Imatinib stehen aktuell bereits zwei weitere oral verfügbare Medikamente bereit. Greift diese orale Therapie nicht mehr, ist zur Heilung der CML eine Blutstammzelltransplantation notwendig.

Für weiterführende Informationen bitten wir um Kontaktaufnahme zu Prof. Dr. Waller.

Therapie der Polyzythämia vera

Eine gesicherte heilende Therapie existiert bisher bei der PV nicht. Bei Symptomen die durch vermehrte Erythrozyten verursacht werden, ist der Aderlaß die Therapie der Wahl. Bei erhöhten Thrombozyten wird Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) gegeben.

Bei vielen Aderläßen (> 2x/Monat) oder Versagen der Therapie mit Acetylsalicylsäure ist eine orale Chemotherapie mit Hydroxaharnstoff zur Senkung der hohen Zellzahlen notwendig. Greift auch diese Therapie nicht, besteht die Möglichkeit mit dem Immunmodulator Interferon zu behandeln.

In Einzelfällen ist eine Splenektomie (Entfernung der Milz) eine weitere Behandlungsmöglichkeit.

Therapie der Essentiellen Thrombozythämie

Eine gesicherte heilende Therapie ist bei der Essentiellen Thrombozythämie (ET) nicht bekannt. Die Behandlung der ET stellt einen Kompromiss zwischen der Behandlung ET-bedingter Beschwerden einerseits und dem Auftreten medikamentös bedingter Nebenwirkungen andererseits dar. Vor Beginn wird in Abhängigkeit vom Alter, der Anzahl der Thrombozyten, sowie bereits stattgehabter thromboembolischer Ereignisse ein individueller Risikoscore ermittelt. Hiernach bestehen verschiedenen Therapiemöglichkeiten:

  • Orale Chemotherapie zur Senkung der hohen Thrombozyten mit Hydroxyharnstoff 
  • Neuere Medikamente wie Interferon-a (IFN) oder Anagrelide zur Senkung der Thrombozyten
  • Niedrig-dosierte Acetylsalicylsäure zur Verhinderung vom Thromboembolien
  • abwartende und beobachtende Strategie ohne Medikamentengabe

Therapie der Primären Myelofibrose

Eine gesicherte heilende Therapie ist bei der PMF nicht bekannt. Es werden jedoch vor allem bei jüngeren Patienten zunehmend Blutstammzelltransplantationen durchgeführt. Ist dies nicht möglich, ist das Therapiekonzept supportiv in Form von Bluttransfusionen.

Eine Standardtherapie existiert bei der PMF nicht. Es können Therapieversuche mitHydroxyharnstoff, Interferon oder hämatopoetischen Wachstumsfaktoren durchgeführt werden.

Kompetenzzentrum
Leukämien und  Präleukämien

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Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg

Ambulanz
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Telefon +49 (0) 761 270-71512
angelika.hahn@uniklinik-freiburg.de

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